Was kostet unsere Kultur – und was ist sie uns wert?

Mit meiner Galerie wildpalms engagieren wir uns, neben den Ausstellungen, mit Projekten wie “Drunken Epiphanies”, unser Lesekreis, sowie Filmvorführungen. In dieser Woche war Lavinia Dames bei uns zu Gast, um gemeinsam über die Zukunft der Düsseldorfer Oper zu sprechen und genauer hinzuschauen.

Wir erhielten hervorragende Anregungen — danke, Jürgen — und gewannen neue Perspektiven — danke, Mario —, die in der öffentlichen Diskussion bisher nicht ausreichend vermittelt worden sind. Gerade deshalb möchte ich Dir hier mitteilen, was wir an diesem Abend gelernt haben.

Rund um das gestoppte Opernhausprojekt haben sich einige vereinfachende Erzählungen durchgesetzt. Eine davon lautet, das Geld könne nun einfach in Schulen, Infrastruktur oder Wohnungsbau fließen. So einfach ist es nicht. Es gibt keinen Topf voller Geld, der nun nur umverteilt werden müsste.

Auch die Zahl von 1,8 Milliarden Euro wurde benutzt, um das Projekt als unbezahlbaren Luxus erscheinen zu lassen. Dabei beschreibt sie nicht einfach den Baupreis eines Opernhauses, sondern langfristige Gesamtkosten für 4 Häuser/Kultureinrichtungen inklusive Finanzierung über 50 Jahre. Berichtet wurde außerdem von einem Kostendeckel von rund 1 Milliarde Euro.

Und vor allem: Dieses Projekt war nicht nur für „die Oper“ gedacht.

Das geplante Opernhaus der Zukunft sollte mehrere öffentliche Kultur- und Bildungsinstitutionen in einem Gebäude zusammenführen: die Deutsche Oper am Rhein, die Clara-Schumann-Musikschule, die Musikbibliothek sowie offene Räume für Begegnung und kulturelles Leben. Allein bei der Clara-Schumann-Musikschule stehen laut Bericht mehr als 2.000 potenzielle MusikschülerInnen auf der Warteliste.

Statt mehrere einzelne Gebäude mit jeweils eigenen Auflagen, technischen Anforderungen, Aufzügen, Kellern, Betriebs- und Sanierungsbedarfen zu planen und finanzieren, sollten verschiedene Funktionen kostengünstiger in einer gemeinsamen Infrastruktur gebündelt werden.

Auch die Erzählung, Oper sei grundsätzlich elitär, hält den Zahlen nicht stand. In Düsseldorf zahlen Schulklassen für Oper und Ballett 10 Euro pro Schüler. Junge Menschen unter 28 Jahren erhalten 50 Prozent Ermäßigung; Last-Minute-Tickets gibt es für 12 Euro.

Ein Opernbesuch kann damit günstiger sein als ein Kinoticket.

Die Oper ist nicht nur ein Haus für festliche Abende. Sie ist ein Ort für Bildung, Begegnung, Musik, Sprache, Körper, Geschichte und Gegenwart. Zudem ist die Deutsche Oper am Rhein der größte lokale Arbeitgeber im Kulturbereich: Laut ihrem Leitbild sind dort rund 600 Menschen fest angestellt und viele weitere Freiberufliche Kunst- und Kulturschaffende verdienen ihr Leben über Aufträge.

Deutschland besitzt eine der dichtesten Musikinfrastrukturen der Welt. Opernhäuser, Orchester, Musikschulen, Festivals und Konzerthäuser sind kein Luxus am Rand der Gesellschaft, sondern Teil der kulturellen Substanz dieses Landes. Auch internationale Rankings zeigen das: Im aktuellen U.S.-News-Ranking der „Best Countries“ belegt Deutschland insgesamt Platz 4. Zu den stärksten Merkmalen zählen dabei nicht nur wirtschaftliche Faktoren, sondern ausdrücklich auch „Culture and Tourism“.

Wir möchten diesen Dialog weiterführen und gemeinsam lernen, wie wir unser kulturelles Erbe bewahren, öffnen und weiterentwickeln können: ein Erbe, das von Frauen und Männern mit Mühe, Leidenschaft, Disziplin und der Suche nach ästhetischem Genuss geschaffen wurde.

Wir laden Dich herzlich ein, diesen Dialog mit uns fortzusetzen.

Next
Next

Move Without Pain: A Gentle Mobility Exercise for Knees and Lower Back